Unterschwelliger Husten im Betrieb - Der Schweineinfluenza-Virus (SIV)

Husten im Stall, nebst dem ökonomischen Verlusten, auch ein Thema, welches jedem Landwirt die Stimmung bei der Arbeit im Stall stark verschlechtern kann.

Hier möchten wir nun einmal einen Haupterreger für klinischen Husten vorstellen.

Der Schweineinfluenza-Virus (SIV)


Dieser Erreger, ein Orthomyxovirus, ist weit verbreitet in der europäischen Schweinepopulation.
Er zeichnet sich durch eine hohe Morbidität und eine geringe Mortilität (Sterberate) aus, welche aber drastisch erhöht werden kann, kommt es zu einer bakteriellen Sekundärinfektion, welche sich auf die Influenza setzt.

Drei verschiedene Varianten der Influenza waren bis dato bekannt :  H1N1, H1N2 und H3N2.

Seit jüngster Zeit gibt es eine pandemische Form :  H1panN1.

Die Influenza kann sich über direkte oder indirekte Erregerübertragung verbreiten, danach kommt es zu einer Proliferation (Vermehrung) innerhalb weniger Stunden in den Zellen der Nasenschleimhaut, Trachea und den Bronchien. Zwei Tage nach der Infektion kommt es zum Höhepunkt der Errergermenge, welche dann im Laufe der nächsten Tage stetig abnimmt. Diese schnelle Eliminierung des Erregers steht im deutlichen Gegensatz zu anderen Virusinfektionen.

Nach dem Verlauf einer Infektion hat das individuelle Schwein eine belastbare, aber streng subtypspezifische Immunität. Dies bedeutet, dass dieses Tier einen immunogenen Schutz gegen den Influenza-Typ hat, mit welchem es sich vorher auseinandergesetzt hat, aber keinen gegen andere SIV-Subtypen, sodass es relativ schnell zu einer erneuten Infektion kommen kann.

Meistens sind nur einzelne Tiere in einem Abteil betroffen, aber die klinischen Anzeichen springen von Tier zu Tier und daher hat man das Gefühl, dass der Husten langsam durch den Betrieb zieht.
Die Erkrankungsrate kann bis zu 50 % erreichen.

Die typischen klinischen Anzeichen bei erkrankten Tieren sind verstärkte abdominale Atmung, hohes Fieber und fortschreitende Inappetenz oder Anorexie, das Minimieren oder Einstellen der Futteraufnahme.

Betroffene Tiere sind meistens Mastschweine oder Absetzferkel im Ende der Flatdeckperiode, da die Immunität, welche durch die maternalen Antikörper von der Sau an die Ferkel übertragen wird, anfängt nachzulassen. Sauen sind im Allgemeinen weniger betroffen aber auch hier kann es zu einem Erregereintrag kommen.

Gerade größere Betriebe mit vielen verschiedenen Altersgruppen stellen eine Gefahr für die endemische Ausbreitung der Influenza dar. Der Grund dafür ist, dass trotz der schnellen Erregereliminierung immer eine ausreichende Menge an empfänglichen Schweinen vorhanden ist, durch welche sich der Virus eine lange Zeit durch den Betrieb bewegen kann.

Die Diagnostik der Influenza-Infektion kann auf zwei Arten erfolgen. Ein direkter und ein indirekter Erregernachweiß sind möglich.

Da, wie vorher beschrieben, die Immunreaktion meistens nur knapp eine Woche nach dem Infektionszeitpunkt stattfindet, ist es wichtig akut kranke oder hoch fiebernde Schweine zu beproben.
Diese Proben kann man über einen Nasentupfer, einen Kaustrick oder über Lavageflüßigkeit bekommen.

Beim indirekten Erregernachweiss wird der Antikörper-Titer im Blut der Tiere bestimmt, hier zeigt sich, ob das Tier eine Influenza durchgemacht hat und wie zeitnah dies geschehen ist.

Wichtig bei der Diagnostik, neben der Bestimmung, ob eine Schweineinfluenza-Infektion vorliegt oder nicht, ist die Bestimmung des Subtyps.

Dadurch wird ersichtlich um welche SIV es sich  handelt oder ob ein anderer Influenza-Typ die Ursache für die Erkrankung ist.

Desweiteren benötigt man die Subtypisierung zur passenden Entscheidung, welche Maßnahmen als Prophylaxe getroffen werden sollten.

Bei einer Virusinfektion, welche oft einhergeht mit hohem Fieber, ist es ratsam die Tiere mit einem
nicht-steroidalen Antiphlogistikum (Schmerzmittel, Entzündungshemmer) zu behandeln um die ökonomischen Verluste durch die Fressunlust zu minimieren. Aufgrund der Gefahr einer Sekundärinfektion durch bakterielle Atemwegserreger, welches drastische Folgen haben kann,  ist eine Behandlung der Tiere mit einem passenden antibiotischen Medikament ratsam.

Als Schutz und Prophylaxe  gegen eine Schweineinfluenza- Infektion ist es möglich die Tiere zu impfen.
Auch hier zeigt sich wieder die Wichtigkeit den Subtyp der Influenza-Infektion zu bestimmen, da es einen „3er-Impfstoff“ gibt, welcher die Subtypen H1N1, H1N2 und H3N2 abdeckt.

Desweiteren gibt es seit kürzerer Zeit einen Impfstoff gegen den pandemischen Stamm.
Es kann dann entschieden werden  ob  einer oder beide Impfstoffe zum Schutz der Tiere einsetzt werden.

Eine Impfung ist frühestens ab der 10. Lebenswoche der Tiere möglich, muss aber mit dem möglichen Infektionszeitpunkt der Tiere abgestimmt werden.

Haben Sie Fragen zu diesem Thema? Dann sprechen Sie unsere Tierärzte gerne an.

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